Fridolinsmünster
Von weit her sind die hellen Türme des Münsters St. Fridolin von Bad Säckingen zu sehen; der gewaltige, im 17. und 18.Jahrhundert im Barockstil erneuerte Kirchenbau erinnert an die Grösse und Bedeutung des einstigen Stiftes, das zur Gründung der Stadt geführt hat. Vom ursprünglichen Bau sind nur noch einige wenige romanische Bauteile erhalten geblieben, der Hochchor und die karolingische Umgangskrypta, die jedoch nicht öffentlich zugänglich ist.
Es war Fridolin, der in der Nachfolge des Kirchenlehrers Hilarius von Poitiers im 6. oder 7.Jahrhundert hier auf der damaligen Rheininsel ein Kloster gründete, die älteste Klostergründung im alemannischen Raum. Fridolin legte damit den Grundstein zur Christianisierung der Alemannen.
Die Geschichte des ‹Apostels Alemanniens› hat erstmals der Säckinger Mönch Balther im 10.Jahrhundert aufgeschrieben und dabei den 6.März als Todestag ohne Jahresangabe angegeben. Seither sind immer wieder Pilger an Fridolins Grabstätte gereist, und der Strom hat bis heute nicht nachgelassen. An der Decke des Münsters kann man die Lebensgeschichte des Heiligen in den Fresken von F.J. Spiegler nachvollziehen. Fridolin soll einst als Glaubensbote von Irland gekommen sein, um das Grab von Hilarius, Bischof von Poitiers, zu besuchen. Weil er die Hilarius-Kirche zerstört vorfand, suchte er in den Trümmern die Gebeine des Verehrten, schuf ein neues Grab und baute das Gotteshaus wieder auf. Der amtierende Bischof von Poitiers weihte daraufhin Fridolin zum Abt des dazu gehörenden Klosters. Eines Tages gebot eine Stimme Fridolin, er solle auf einer Rheininsel als Glaubensbote tätig werden. Also zog er Richtung Osten nach Deutschland und errichtete zahlreiche Hilarius-Kirchen und –Klöster. Bei Säckingen fand er schliesslich die gesuchte Insel im Rhein, wo er sich niederliess, ein Kloster gründete und bis zu seinem Tod tätig war. Die Gebeine des Heiligen werden in der kleinen Fridolinskapelle, auf der rechten Seite des Münsterchors, in einem glanzvollen, über dreihundert Kilogramm schweren Silberschrein aufbewahrt. Die letzte Fürstäbtissin des Stifts, Anna Maria von Hornstein-Göffingen, betraute den Augsburger Silberschmied Gottlieb Emmanuel Oernster mit dieser Arbeit.
Die Reliquien des Heiligen haben die Säckinger durch all die Jahrhunderte hindurch sorgsam gehütet. Während des Dreissigjährigen Krieges brachte die Äbtissin sie nach Glarus in Sicherheit, wo das Kloster Säckingen über bedeutenden Grundbesitz verfügte. Zum Dank erhielt Glarus, das trotz der Reformation noch heute den Heiligen als Landespatron in seinem Wappen trägt, ein paar Anteile der kostbaren Reliquien.
Der Todestag des St.Fridolin wird in Säckingen noch heute jeweils am 6.März mit einem grossen Fest und einer Prozession gefeiert. Erfolglos blieben die Verbote der Prozessionen und Wallfahrten zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia und ihres Sohnes Joseph II. im Zuge der Aufklärung – Säckingen gehörte damals noch zu Vorderösterreich. Zwar wurde das Kloster 1806 aufgehoben, als der Breisgau an das Grossherzogtum Baden fiel, doch die Fridolinsprozession liess sich nicht verbieten. Im Jahre 1900 schätzte man die Zahl der Angereisten am Fridolinsfest in Säckingen auf fünftausend – eine beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass die Stadt damals nur viertausend Einwohner hatte. Auch beim ersten Fest nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 sollen allein aus der Schweiz fünftausend Besucher gekommen sein, die bei dieser Gelegenheit der notleidenden Bevölkerung Gaben mitbringen konnten. Die Glarnen nehmen auch heute noch, über die alte Holzbrücke kommend, regelmässig am Fridolinsfest teil, soll ihnen doch der Heilige durch sein Erscheinen bei der Schlacht von Näfels im Jahre 1388 zum Sieg verholfen haben.
Die Fridolinsfeier in Säckingen verteilt sich üblicherweise auf zwei Tage. Am eigentlichen Fridolinstag findet ein Festgottesdienst und ein Jahrmarkt statt, der daran erinnert, dass die Stadt einst dank ihrer Rheinbrücke ein bedeutender Marktflecken war. Am darauf folgenden Sonntag wird im Münster eine festliche Messe gelesen, und anschliessend zieht die Prozession mit dem Fridolinsschrein und seiner Statue im Andenken an den beliebten Stadtpatron in langem Zug durch die Innenstadt.











