Die Kirche zu ‹Patapere› von einem Alemannen gestiftet
Zwischen Belchen und Rheinebene liegt auf einer kleinen Anhöhe das idyllische Dorf Betberg bei Buggingen-Seefelden. In der Ortsmitte plätschert ein Brunnen; von dort führt eine Treppe hinauf zu einem verträumten stillen Platz mit Friedhof Kirche. Betberg war im 8. Jahrhundert der Herrensitz eines alemannischen Adligen. Nachdem er den christlichen Glauben angenommen hatte, liess er hier eine Kirche erbauen. Diese wird erstmals im Jahr 789 im Codex Laureshamensis, dem Urkundenbuch des Klosters Lorsch, erwähnt als ‚Kirche zu Patapere‘. Später, im Jahr 1111 kamen Kirche und Grundbesitz an das Kloster St. Peter. In diese Zeit fällt vermutlich der Bau der heute bestehenden Kirche.
Interessant ist eine Notiz zum Namen Betberg aus der Festschrift der Gemeinde Buggingen zum 1200jährigen Bestehen dieses alten heiligen Orts. So gab es im Jahr 743 in Liftingen in Belgien ein Reformkonzil, auf dem verschiedene Volksbräuche verboten wurden, so auch die Casuale, d.h. die Götterhüttlein. Das alemannische Wort für diese heidnischen Feld- und Waldkapellen war Petabur. Daraus lässt sich vermuten, dass in Betberg / Patapere bereits in vorchristlicher Zeit ein Heiligtum stand. Dies entspricht einer Anweisung von Papst Gregor aus dem Jahr 601 an die angelsächsische Mission, dass die heidnischen Heiligtümer nicht zerstört, sondern zu Stätten werden sollten, «wo die zum neuen Glauben Gekommenen an den ihnen vertrauten Orten dem wahren Gott dienen konnten».
Eine weitere Deutung weist auf ein vorchristliches Heiligtum hin. Nach der Überlieferung sollen in Betberg einst drei weibliche Gottheiten verehrt worden sein. Der Name Betberg, im Jahr 1111 Bettebura genannt, soll an die ‚drei Bethen‘ erinnern: Die ‚tres matres‘ oder ‚matronae‘ sind die ursprünglichen Schicksals- und Fruchtbarkeitsgöttinnen, die im Christentum zu den ‚drei Marien‘ oder ‚drei heiligen Jungfrauen‘ umgedeutet oder auch dem Pilgerzug der Heiligen Ursula zugesprochen wurden wie beispielsweise Einbeth, Wilbeth und Worbeth.
Bei Grabungen fand man die Fundamente des romanischen Chors und ein tief liegendes Grab mit drei Schädeln und dazu gehörenden Skelettteilen. Unter anderem wurde auch der Unterbau einer Taufanlage frei gelegt und in der Mitte der heutigen Kirche entdeckte man das ausgeplünderte Stiftergrab.
Besonders zu beachten sind die Wandmalereien der Betberger Wehrkirche. In der Eingangshalle finden wir die Passion Christi, wahrscheinlich angelehnt an Dürers Passion von 1511. Judas wird hier im Abendmahl in Landsknechtkleidung dargestellt – ein Hinweis auf die vermutete Entstehung des Gemäldes zur Zeit des Bauernkriegs von 1524/25. Dasselbe gilt für die Kriegsszenen im Inneren an der Westwand der Kirche und auf der Empore. Dort zeigt die Türgewandung zum Turm zwei alte Krieger: rechts einen Ritter mit Muskete und Schwert, unter ihm das Wappen des Klosters von St. Peter mit gekreuzten Schlüsseln und Bischofshut und links über dem Wappen der Markgrafschaft einen Landsknecht in schmucker Uniform mit wehendem Helmbusch, bewaffnet mit Hellebarde und Schwert. Sie sind die Vertreter der geistlichen und der weltlichen Macht, gegen die sich die Bauernschaft auflehnte. An einem kleinen, runden Fenster auf der Empore entdeckt man eine zierliche Gestalt, die sich aus der Öffnung beugt und versucht, einen an der Wand hochsteigenden, mit Schwert bewaffneten Bauern heraufzuziehen, der von seinem unteren Kameraden gestützt wird. Sie versuchen offensichtlich, auf diesem Weg in den Turm einzudringen, dessen Tür bewacht ist, wohl in der Absicht, die Glocken in Bewegung zu setzen, um die Bauern der Umgebung zum Aufruhr aufzufordern.





